Wie kommt man dazu, eine Meisterschaft mitsegeln zu wollen?Unser erstes Mal (Conger)1999: Die letzte Meisterschaft am Laacher See hat 1999 statt gefunden. Damals hat Harald für die Segler Zeitung ein paar Zeilen und Fotos zusammen gestellt.

Harald bekam damals erzählt, dass eventuell 2002 die Dyas Meisterschaft am Laacher See stattfinden könne: Och, da könntest du mitfahren, dachte er und sagte das dann auch: Die nächste Meisterschaft am Laacher See fahre ich mit.
2010: in einem ganz anderen Zeitalter kam das Gespräch während der Boot: Am Laacher See ist wieder Deutsche Meisterschaft, wieder im Conger. Also Details erfragen: Boot, Rahmenbedingungen etc Parallel fand die Mannschaftsabstimmung statt: Thomas, wie sieht es aus usw. Die ersten Impulse, um ein Boot zu bekommen, liefen an und das erwies sich als gar nicht so einfach.
Dann hat sich Harald um andere Dinge kümmern müssen, z.B. war er mit Jugendlichen zum Segeln eine Woche am Dümmer (er auf dem Motorboot, die Jugendlichen in Segelbooten). Also erst einmal alles zurück gestellt.
Die Woche nach Ostern erzählte dann ein Bekannter, dass er eine Conger in Zahlung nähme, dadurch wurde das Projekt wieder angestoßen: Wen kennst man, um realistische Preisvorstellungen etc abzufragen. Also wurde Alex Makdissi angerufen, den kennen wir durch die Jugendarbeit. Und dann ging das alles relativ schnell, Wiebke Sinning hörte davon und bot Ihr Boot zuerst leihweise, dann auch zum Kauf an, da Ihr Vater nicht mehr so viel Zeit zum Segeln habe. Und so bekamen wir ein sehr gutes Boot, konnten aufbauen und einfach losfahren.
Thomas und Harald sind schon lange befreundet, wir haben uns über die Jugendarbeit im Segelsport kennen und schätzen gelernt. Thomas hatte aus gesundheitlichen Gründen seit 2007 pausieren müssen, eine lang überlegte Rückenoperation folgte im Spätherbst 2009 und für ihn war dieser Wiedereinstieg mehr als einfach "mal wieder segeln gehen".
Wir sind früher gerne zusammen gesegelt und ob Thomas` Erfahrung kann sich Harald fast ausschließlich auf das „Lenken“ beschränken und muss „nur“ dafür sorgen, das Boot optimal gerade aus zu fahren (und wenn das nicht gelingt verbunden mit entsprechenden Kommentaren;-)). Hängeboote wie Pirat oder Kielzugvogel wird zusammen kaum noch möglich sein, aber Conger oder ähnliche Boote bieten Thomas die Option, den heiß geliebten Segelsport weiter zu betreiben. Da Thomas im fränkischen Seenland seinen Heimatverein (WAB) hat, konnte schnell ein Programm entworfen werden, welches uns die Quali zur DM ermöglichen soll.
Toll fanden wir beide die Unterstützung und die Offenheit der anderen Segler vor Ort. Mit tatkräftiger Unterstützung von Axel, Flo und Peter haben wir am Samstag das Schiff aufgebaut und vorsichtig am Trimm gearbeitet. Dank geliehener Maulschlüssel konnten wir bis zum Rausfahren beginnen, provisorisch die Unterwanten nach zuspannen.
Leider gelang es uns nicht, mit dem Trimm bis zum Start fertig zu werden. So fuhren wir mit zu losem Rigg los (was wir erst auf der Kreuz merkten). Leider wurde aus dem am richtigen Ende bei Null starten nichts. Die nächste Überraschung gab es beim Versuch des Aufkreuzens. Obwohl die Fock dicht war fehlten uns mindestens 15° Höhe. Da Thomas vor über 30 Jahren mal 420er gesegelt war, konnte das Problem durch anziehen der Luvschot abgestellt werden. Leider war zu diesem Zeitpunkt schon knapp die Hälfte der Startkreuz absolviert. Das Thema Unterwanten konnte auch bis zur Luvtonne nicht behoben werden. Fazit vorletzter am ersten Fass. Das unbekannte Wendeverhalten machte uns auch zu schaffen. Schnell hatten wir das Schiff weiter nach Lee gedrückt, als uns lieb war, so dass Harald üben musste, das Schiff nicht zu kräftig mit der Ruderanlage durch den Wind zu drücken. Und jede suboptimale Wende kostet 3-4 Bootslängen.
Auf dem Dreieck hat Thomas dann beide Wanten angezogen. Es wurde auch schon die ersten beiden Boote überholt. Voller Vertrauen sind wir in die zweite Kreuz gestartet. Backbord Bug gute Höhe und Geschwindigkeit. Leider nicht auf Steuerbord. Also auf dem Vormwindgang beides neu einstellen. Hat nicht ganz geklappt. Trotzdem ein weiteres Boot überholt. Die dritte Kreuz ging dann schon deutlich besser. Leider war der Abstand zu den vor uns segelnden Schiffen so groß, dass wir nur noch ein bisschen näher herankamen. Das zweite Dreieck wurde zum weiteren optimieren der Riggeinstellung genutzt. Auf der Zielkreuz gelang es uns noch, auf den 12. Platz zu verholen.
Im Anschluss wurde das zweite Rennen gestartet. Der Wind hatte schon zum Start beschlossen das 60° bis 70° Winddreher für die angereisten Congersegler als Herausforderung nicht ausreicht. Schon auf den ersten Metern der Startkreuz kam ein wahres Feuerwerk an Drehern und Windlöcher auf die Aktiven zu. Von jetzt an galt das Motto: wie gewonnen so zerronnen. Unser Start gestaltete sich deutlich besser. Wir hatten beschlossen auf der Kreuz mit möglichst wenig Risiko durch die Mitte zu segeln und jeden Dreher mitzunehmen. Durch diese Strategie erreichten wir als 5. das erste Fass. Wir konnten zwar im Laufe der beiden Schenkel und der zweiten Kreuz unseren Platz halten, den Anschluss an die ersten, insbesondere der ersten beiden, konnten wir aber nicht halten. Wir konnten aber zumindest die Wendetechnik optimieren: langsamer ist besser.
Dann beschloss der Wind, dass es Zeit wäre, geschlossen ins Kasino gehen. Mit unserer Taktik auf schwarz und rot zu setzen waren wir beim zusammen schieben des gesamten Feldes wieder mit vorne dabei. Wir haben etwas auf die linke Bahnseite gesetzt und sind mit dem dritten Platz am Leefass belohnt worden. Leider reichte unsere Geschwindigkeit nicht aus, um diesen Platz zu halten. Die ersten 8 Boote gingen innerhalb von Sekunden durch Ziel. Da wir uns etwas Leewärts der anderen befanden, mussten wir zur Kenntnis nehmen, dass wir auf der Ergebnisliste auf einem geteilten 6. Platz lagen. Wir hatten jedoch Galaplätze beim interessanten Manöver von Adi Faltermeier, der in Lee von drei Schiffen wendete. Die Kommentare waren klasse. Der anschließende Protest hat dann für Klarheit gesorgt. Da der Wind überhaupt nicht mehr wollte, schickte die Wettfahrtleitung uns zum Abendessen. Bei klassisch fränkischer Küche wurde der Tag ausgiebig diskutiert. Für uns stand das Kennenlernen ganz oben an. Da wir bei Thomas im Club schliefen, endete der Abend schon vor Mitternacht. Auf dem Weg zu den Wettfahrten am Sonntag haben wir die Parole ausgegeben: nicht mehr schrauben, sondern segeln. Leider hat Rasmus einige Bemerkungen über seine samstägliche Leistung persönlich genommen. Es gab nur leichte Uferthermik. Gegen Mittag ging ein Ruck durch die Reihen der Conger und wir durften auslaufen.
Dreher wie gestern, nur die andere Seite des Sees war besser. Wir schafften es, bei Null zu starten. Nur ganz ans Pinnend zu gehen, haben wir uns nicht getraut. Trotzdem waren wir die ersten beim links einsetzenden Wind. Mit Dreher und Bö gelang es, das Luvfass als erste zu runden. Mit einer weiteren Privatbö konnten wir uns von den Verfolgern absetzen. Auf der zweiten Kreuz gelang es, dass wir uns mit der gleichen Taktik weiter von den Verfolgern lösen konnten. Die Vordemwindtour schob wieder alles enger zusammen. Die nächste Kreuz kam der letzten Kreuz des Vortags wieder sehr nahe. Mit zwei Drehern und etwas Glück konnten wir aber unsere Führung verteidigen. Nur Axel und Margot wollten noch nicht aufgeben. Trotzdem lagen wir an der Leetonne noch vorne. Da es von dort einen Anlieger ins Ziel gab, haben wir unerhofft das erste Rennen in unserer Congerkarriere gewonnen.
Zu unserer Überraschung hing der Zahlenwimpel zwei am Startschiff. Die Freude wich dem Entsetzen: Der hintere Teil des Feldes stand im Öl. Das können die doch nicht ernst meinen, na ja schauen wir mal. Nachdem sich die beiden letzten einen tollen Kampf auf der Ziellinie lieferten, hatte der Wettfahrtleiter ein Einsehen und schickte uns an Land. Knapp und mit 11 Punkten auf dem Konto haben Michael mit Elvira vor Jürgen mit Gabi sowie Peter mit Florian gewonnen. Der Abstand zwischen den ersten 7 betrug nur 8,5 Punkte. Im Vergleich lagen zwischen dem ersten und dem zweiten Topper 9 Punkte.
Das Fazit ist eindeutig für uns. Wir haben das richtige Boot gekauft, die richtige Mannschaft besorgt, und viele nette neue Leute kennen gelernt. Wir freuen uns schon jetzt auf die kommenden Regatten sowie unserem Projektziel die DM am Laacher See. Die Punkte haben wir zusammen, nun müssen wir Läufe sammeln.
Bis bald
Harald und Thomas GER 3726 „Vergriffen“
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